Mittwoch, 17. Juli 2024
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Bio: Sonnige Aussichten für weiteres Boomjahr

Nürnberg. (bf) Die Bio-Branche hatte zum Jahreswechsel allen Grund, zufrieden auf 2007 zurückzublicken und auf ein weiteres Erfolgsjahr 2008 anzustoßen. Nach Experten-Schätzungen stieg der deutsche Bio-Umsatz 2007 zwischen 13 und 18 Prozent. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) geht aktuell von rund 15 Prozent Wachstum und einem Umsatz von mehr als 5 Milliarden Euro aus. Die Großhandelsunternehmen im Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel schließen 2007 mit einem Umsatzplus von 14 Prozent ab.

62 Prozent des beim BNN gemeldeten Gesamtumsatzes wurden im Frischebereich erwirtschaftet – Naturkostgeschäfte und Bio-Supermärkte haben sich zu Nahversorgern entwickelt. Letztere konnten ihre beachtlichen Zuwachsraten von jährlich 40 bis 60 Geschäften nochmals überbieten: 2007 öffneten mehr als 80 neue Märkte. Die Zahl der Bio-Supermärkte stieg damit auf über 450. Zweistellige Zuwachsraten in nun schon drei aufeinanderfolgenden Jahren: Die deutsche Bio-Branche blickt optimistisch ins Jahr 2008.

BÖLW prognostiziert weiterhin starkes Wachstum

Dr. Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW: «Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sich das starke Wachstum 2008 fortsetzt. Beim konventionellen Einzelhandel und den Discountern ist eher mit einer Konsolidierung zu rechnen, da Bio-Ware jetzt nahezu flächendeckend angeboten wird und Wachstum nur über eine Sortimentsausweitung erfolgen kann. Die steht aber immer in Konkurrenz um Regal-Platz mit anderen Produkten. Im Fachhandel rechnen wir weiter mit einem starken Wachstum».

Prof. Dr. Götz E. Rehn, Geschäftsführer von Alnatura und als Repräsentant des Verbands der Bio-Supermärkte im BÖLW-Vorstand: «So erfreulich es ist, dass mehr Menschen Bio-Lebensmittel einkaufen, so bedauerlich ist es, dass nicht mehr Landwirte in Deutschland den Schritt zur Umstellung ihrer Betriebe auf Bio-Erzeugung machen. Neben verlässlicher Umstellungsförderung brauchen Bio-Bauern klare und verbindliche Rahmenbedingungen, damit sie, die ja stets auch an die Folgegeneration denken, mehr Bio wagen». Dazu Dr. Gerber: «2007 zeigt die Umstellungsrate zwar wieder leicht nach oben, reicht aber bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu bedienen. Die genauen Umstellungszahlen stellen wir im Februar zur BioFach in Nürnberg vor».

Naturkostbranche baut Wertekapital aus

Der BNN Herstellung und Handel geht von einem weiteren zweistelligen Wachstum im Naturkostfachhandel aus. Elke Röder, Geschäftsführerin: «Die Naturkostbranche wird 2008 ihr Wertekapital weiter ausbauen und sichtbar machen. Die Branche muss in Zeiten härteren Wettbewerbs und der Rohstoffknappheit ihren eigenen Weg gehen, denn es gilt, ein hohes Kundenvertrauen zu verteidigen. Bio braucht mehr als Kapital – die Naturkostbranche steht in einer Tradition, in der soziale Verantwortung, regionale Wirtschaftskreisläufe, besondere Produktqualität, Gesundheit und Umweltschutz die Basis wirtschaftlichen Handels sind».

Bio-Supermärkte mit starken Zuwächsen

Zum starken Wachstum der Branche tragen die Bio-Supermärkte bei. Alnatura erzielte 2007 ein Plus von 34 Prozent auf 246 Millionen Euro Umsatz, 93 Millionen Euro davon in den eigenen Bio-Supermärkten. Basic rechnet für 2007 mit einem Umsatz von fast 100 Millionen Euro und einer Steigerung von 37 Prozent. «Im Rahmen eines erfreulichen zweistelligen Zuwachses für die gesamte Branche konnte die Expansion der Bio-Supermärkte auch 2007 weiter vorangetrieben werden. Josef Spanrunft, Vorstand der Basic AG: «Wir rechnen auch 2008 mit wachsender Nachfrage nach Bio-Produkten. Der Fachhandel generell muss im Zuge des steigenden Bio-Angebots im Lebensmitteleinzelhandel und bei Discountern den Verbrauchern vermitteln, dass Bio nicht gleich Bio ist. Heute, wo es Bio fast überall gibt, hat Bio als alleiniges Verkaufsargument ausgedient».

Branche setzt Zukunftstrends: «Alles wird grün»

Dr. Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut Matthias Horx hat sich in der Studie «LOHAS – Wie der grüne Lifestyle die Märkte erobert» unter anderem mit dem Potenzial des Lifestyle of Health and Sustainability für die Bio-Branche befasst: «LOHAS ist der erste Lebensstilentwurf, bei dem Genuss und Gesundheit, Vergnügen und Verantwortung zusammenfinden. Selbst Unternehmen wissen jetzt, dass Ökonomie nicht mehr ohne Ökologie gedacht werden kann, Business und Moral eng zusammengehören. Die Bio-Branche hat den Trend gesetzt». Für die Zukunft laute die Botschaft der Zukunftsforscher «Alles wird grün». Dr. Wenzel: «Ökologie und Nachhaltigkeit sind die Schlüsselthemen der nächsten Jahre. Mehr denn je möchten sich die Menschen mit dem identifizieren, was sie täglich zubereiten und essen. Wichtig ist jetzt, dass die Branche bei ihren Qualitätsmaßstäben bleibt, damit steht und fällt das Bio-Business der Zukunft. Gut möglich, dass wir in zehn Jahren gar nicht mehr von Bio reden, weil alles Bio ist».

Info: Während der Weltleitmesse BioFach mit 2.600 Ausstellern und rund 45.000 Fachbesuchern trifft sich die internationale Bio-Branche vom 21. bis 24. Februar im Messezentrum Nürnberg.